Mein Standpunkt

Häufig erscheinen die unterschiedlichen Interessenslagen der Wirtschaftspolitik und der Umweltpolitik kaum vereinbar. Dies zeigt auch die aktuelle Diskussion um das geplante Gewerbegebiet Urbich. Seit 2013 laufen die Planungen für einen "Technologie- und Gewerbepark nördlich der Straße Am Herrenberg (URB638)".

Durch die LEG wurden in Abstimmung mit den betroffenen Fachämtern der Stadtverwaltung Erfurt fachspezifische Sachverständige beauftragt.

Wichtig ist das Ergebnis der verschiedenen Gutachten: "Im Ergebnis konnten keine rechtlichen Hindernisse festgestellt werden, die normativ der Planung entgegenstehen würden. Gefährdungen für gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse können durch Festsetzungen des Bebauungsplanes ausgeschlossen werden. Die sonstigen Auswirkungen wie die Veränderungen im Landschafts- und Ortsbild und der Eingriff in sehr hochwertige Böden bedürfen letztlich einer Abwägungsentscheidung des Stadtrates. Dazu sind alle entgegenstehenden öffentlichen und privaten Belange zu erheben, zu wichten und untereinander abzuwägen."

2017 sprachen sich die Teilnehmer einer gemeinsamen Bürgerversammlung von Urbich und Herrenberg mehrheitlich gegen das Gewebegebiet aus. Aspekte der Bodenversiegelung, des Lärmpegels bis hin zu Kaltluftströmungen würden nicht ausreichend berücksichtigt werden. Neben dem Urbicher Ortsteilrat und Urbicher Bürgern sind auch die Eigentümerfamilien, der Bauernverband und das Landwirtschaftsamt grundsätzlich gegen die Bebauung des Plangebietes.

Bereits im Kommunalwahlkampf hatte ich mich gegen dieses Projekt der LEG ausgesprochen. Leider hat der Erfurter Stadtrat Mitte April die Aufstellung eines entsprechenden Bebauungsplanes mit 23 zu 10 Stimmen beschlossen. Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) hatte für das Gewerbegebiet geworben und damit begründet, das "97% der Gewerbegebiete" ausgelastet seien.

Diese Zahl läßt sich nicht nachvollziehen und erscheint anhand der vielen Leerständen von Gewerbeimmobilien als viel zu hoch gegriffen. Allerdings ist ein neues Gewerbegebiet viel einfacher zu vermarkten als die z.T. in die Jahre gekommenen Bestandsimmobilien wie z.B. in Waltersleben.

Eine Bodenversiegelung lässt sich nicht einfach wieder aufheben. Seit den Gutachten in 2014 haben wir mit Klimaerwärmung zu tun. Die Trockenphase, Stürme und die Ausbreitung des Borkenkäfers haben auch die Erfurter Wälder wie den Willroder Forst in Mitleidenschaft gezogen und ob der neue Hochwasserschutz ausreichend ist, muss sich erst noch beweisen.

Zu diesem Zeitpunkt wertvolle Böden ohne erneute Prüfung einem Gewerbegebiet zu opfern, dürfen wir auch aus Verantwortung gegenüber nachfolgenden Generationen nicht zulassen.